Nach dem letzten Heimspiel verabschiedet der TSV Bayer Dormagen in der Regel die Handballer, die zum letzten Mal das Trikot des Zweitligisten getragen haben. Diesmal kamen gleich zwei Trainer hinzu: Peer Pütz und Assistent David Röhrig - der in der kommenden Saison als Chefcoach des VfL Lübeck-Schwartau zurück ins TSV Bayer Sportcenter kommt.

Handball-Geschäftsführer Björn Barthel erinnerte an den Kampf um den Klassenerhalt: „Viele haben keinen Pfifferling mehr auf uns gegeben. Aber diese Mannschaft hat sich endgültig in Nordhorn für die intensive Arbeit der letzten Monate verdient belohnt. Ich ziehe den Hut vor euch.“ Sechs Spieler erhielten von Barthel großformatige Fotos, die Fotograf Heinz Zaunbrecher zusammengestellt hat. Ein Siebter konnte nicht dabei sein: Max Eugler war erkrankt. „Er hat uns mehrfach geholfen, als wir große Verletzungsprobleme hatten“, dankte Barthel. Eugler wird demnächst für den TV Korschenbroich spielen. Ein Wiedersehen wird es mit Joonas Klama geben: Der Torwart war einige Male beim TSV eingesprungen. Er wechselt zum Bundesliga-Absteiger TuS N-Lübbecke.

Alle Jugendteams hat das TSV-Eigengewächs Lennart Leitz durchlaufen. Barthel wünscht ihm viel Glück bei seinem neuen Verein, mit dem der Rechtsaußen in der Saison 2022/23 in die Dormagener Halle einlaufen wird: Leitz geht zusammen mit David Röhrig nach Lübeck. Auch Linksaußen Tim Mast wird hier wieder zu sehen sein, er wechselt zum Liga-Rivalen TuSEM Essen und wird „dort auf eigenen Füßen stehen.“ Dank und Anerkennung galten auch Finn Johannmeyer, der im Laufe der Saison häufiger mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Er wechselt in die 3. Liga zum TuS Opladen. Ante Grbavac kam aus Linz in Österreich und wurde heimisch in Dormagen. „Du hast hier vor allem in deiner ersten Saison aus allen Lagen geworfen“, anerkannte Björn Barthel die Leistung des dreifachen Familienvaters. Der hat sicher gute Chancen, Torschützenkönig der 4. Liga mit Interaktiv. Handball Ratingen zu werden. Nach einem Jahr in Dormagen wird Patryk Bernacki wieder zurück in seine polnische Heimat gehen. Er hatte die Entscheidung getroffen, als noch nicht klar war, in welcher Liga der TSV in der nächsten Saison spielen würde.

„Du warst zwar nur ein halbes Jahr Cheftrainer, wirst aber als sehr erfolgreicher Coach in die Geschichte des TSV Bayer Dormagen eingehen“, wünschte Barthel Peer Pütz viel Erfolg. Er wird Assistent des früheren Dormagener Nachwuchskoordinators Jamal Naji beim Erstligisten Bergischer HC. „Wir haben uns als Jugendtrainer oft duelliert, du hast aber zumeist gewonnen“, erinnerte der Geschäftsführer an Spiele gegen Peer Pütz. „Zudem hast du die komplette Sichtung und Entwicklung von Spielern geprägt, die heute teilweise in der Bundesliga oder in der Nationalmannschaft spielen.“ Erinnerungen an David Röhrig hat Barthel seit 2002: „Damals hat meine E-Jugend gegen Bonn gespielt und du warst dabei.“ Immerhin war es das Vorspiel vor dem Länderspiel Deutschland gegen Schweiz anlässlich der Einweihung des Sportcenters.

Kapitän Patrick Hüter dankte allen Fans - auch denen, die „negativ waren und nicht gut über uns geredet haben“ - im Namen der Mannschaft: „Vor sechs Monaten waren wir am absoluten Tiefpunkt. Nun sind wir alle froh und stolz, dass wir die Klasse gehalten haben.“ Hüter hob auch die anwesenden Spieler hervor, die für einige Partien eingesprungen waren: Benni Richter und Oliver Dasburg. TSV-Abteilungsleiter Jocky Krapp meldete sich mit gutem Grund zu Wort: „Schließlich hat die Abteilung die Trainer abgestellt, die ihre Mission erfolgreich beendet haben.“


So etwas geschieht in der Regel nur am letzten Spieltag und auch nur in ganz wenigen Hallen: Die Sieger trauern und die Verlierer ziehen erfreut mit dem Danke-Fans-Banner durch die Spielstätte. Im TSV Bayer Sportcenter musste der mit hunderten von Anhängern angereiste TuS Ferndorf trotz des 40:37 (16:16)-Erfolges die Hoffnung auf den Klassenverbleib abschreiben. Die Niederlage wiederum geht zwar in die Annalen des TSV Bayer Dormagen ein, doch tatsächlich war das Ergebnis am gestrigen Samstagabend für die Wiesel zweitrangig. Die hatten sich in der Vorwoche das Ticket für die Zweitliga-Saison 2022/23 mit dem Sieg in Nordhorn erarbeitet und feierten bei Freigetränken powered by der Rheinland Versicherung lange mit den Fans.

Dass diverse Rekorde den 38. Spieltag begleiteten, ist auch nur eine Randerscheinung: 1581 Zuschauer sind in der abgelaufenen Spielzeit einsame Spitze, 37 Tore erzielte der TSV zum ersten Mal, genau wie die 40 kassierten Treffer. Das heißt in der Konsequenz: 77 Tore haben die Fans zuvor ebenfalls nicht gesehen. Mit einem Erfolg hätte der TSV übrigens den HCE Rostock in der Tabelle der 2. HBL noch von Rang 15 verdrängen können. Vier weniger erhaltene Treffer hätten zudem einen Titel aus der Kategorie „Da kann man sich auch nichts für kaufen“ gebracht: Die Auszeichnung für die beste Defensive geht jetzt an die HSG Nordhorn-Lingen, die 1013 Gegentreffer verbucht, der TSV 1016. Ein Alleinstellungsmerkmal bleibt freilich bestehen: Dormagen hat als einzige der 20 Mannschaften darauf verzichtet, tausend oder mehr Tore zu werfen. 974 Treffer bedeuten einen Schnitt von 25,6.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Beide Mannschaften lieferten sich ein offenes Match, vor der Pause lag zumeist der TSV knapp vorne. Einen höheren Vorsprung verhinderte ein Spieler mit Dormagener Vergangenheit: Torwart Tim Hottgenroth meisterte drei Strafwürfe innerhalb von zehn Minuten vor der Pause. Mit dem 16:16 war für Ferndorf beim Blick auf die Tabelle noch alles drin, denn zwischen Großwallstadt und Bietigheim stand es 13:13. So kämpften die Siegerländer bis zum Ende verbissen, die Fans peitschten ihr Team zum Erfolg. Doch der Optimismus wich langsam der Erkenntnis, dass selbst der Sieg in Dormagen nicht reichen würde. Letztlich fehlten sechs Tore im Vergleich der punktgleichen Klubs Ferndorf und Großwallstadt. Das Lob vom Gegner schickte Handball-Geschäftsführer Björn Barthel an den langjährigen Rivalen: „Ihr habt heute gezeigt, warum ihr eigentlich in die 2. Liga gehört. Kommt ganz schnell wieder zurück.“

Minutenlang klatschten sich Spieler und die rote Wand auf der Tribüne gegenseitig zu. So hatten auch die Dormagener mehr Zeit, sich auf dem Spielfeld über den Klassenerhalt zu freuen. Der scheidende Coach Peer Pütz hatte Verständnis dafür, dass seine Auswahl nach dem geschafften Ziel „gegen Ferndorf nicht mehr die nötige Spannung aufbauen konnte.“ Er hatte alle Spieler im Laufe der Partie eingesetzt. Auch Ante Grbavac, der in der Rückrunde zumeist nur auf der Bank saß. Der Halblinke bedankte sich mit einem sauberen Treffer aus dem Rückraum. Eine starke Leistung zeigte Christian Simonsen mit elf Paraden und zwei Treffern in den leeren gegnerischen Kasten. „Superquote – zwei Würfe, zwei Tore“, strahlte der Schlussmann.

Artur Karvatski durchbrach die Siebenmeterflaute der Kollegen und erzielte insgesamt vier Treffer. Auf sieben brachte es Mislav Grgic, der wie auch Karvatski und Jaka Zurga besonderen Applaus der heimischen Fans erhielt: „Alle drei werden auch in der nächsten Saison das TSV-Trikot tragen“, verkündete Barthel, der weitere frohe Botschaften hatte: „Jan Reimer hat vorzeitig bis 2024 verlängert, Lucas Rehfus bis 2025.“ Aufatmen konnte der mit acht Treffern beste Dormagener: Alexander Senden hatte sich im Spiel den Mittelfinger der linken Hand ausgekugelt. Im Krankenhaus wurde alles wieder gerichtet, „es ist nichts gerissen“, freute sich Senden darüber, dass er ohne großes Handicap die Teamreise nach Mallorca antreten kann.

TSV Bayer Dormagen – TuS Ferndorf 37:40 (16:16)
Dormagen:
Juzbasic (3 Paraden), Simonsen (ab 21., 2 Tore, 11 Paraden); Karvatski (4/2), Meuser (5), Leitz (1), Senden (8), Biernacki, I. Hüter (1), Reimer (4/1), Grgic (7), Zurga (1), P. Hüter (1), Johannmeyer, Grbavac (1), Seesing (1), Mast (1), Trainer: Pütz.
Ferndorf: Puhl (3 Paraden), Hottgenroth (8 P.), Rottschäfer (n.e.); Eres (4), Kasai (1), Strakeljahn (n.e.), L. Schneider (1), Persson (3), M. Michel (2), Voss-Fels, J. Schneider (1), Bornemann (7), Koloper, ten Velde (11/4), Diebel (2), Neuhold (8), Trainer: Andersson.
Schiedsrichter: Fratczak / Ribeiro.
Zuschauer: 1581.
Zeitstrafen: 4:8 Minuten.
Siebenmeter: 3/6:4/4 (Hottgenroth hält gegen Reimer/zweimal und Grbavac).
Spielfilm: 2:3 (6.), 4:3, 8:9, 10:9, 16:16 – 17:16, 20:20 (37.), 20:23 (40.), 21:23, 21:25, 24:25, 26:29 (48.), 28:32 (52.), 34:35 (56.), 36:38, 36:40, 37:40.


Zum ersten Mal vergibt die Handball-Bundesliga GmbH in diesem Jahr die Auszeichnung „Nachwuchstrainer der Saison 2021/22“. Dormagens Nachwuchskoordinator und Coach der C-Jugend Dennis Horn gehört bei der Premiere zu den Top 3. In diesem Jahr gewann die C-Jugend des TSV Bayer Dormagen erneut die Westdeutsche Meisterschaft und jüngst auch das Jahresabschlussturnier mit einigen der besten deutschen Nachwuchsteams.

Die Auswahl der Besten fiel der Jury aufgrund der zahlreichen und qualitativ guten Einsendungen nicht leicht. Die Jury wählte den 26-jährigen Horn auf Platz 2 vor Sebastian Bagats, der bei TSV GWD Minden die U19 trainiert und am Mindener Besselgymnasium, NRW-Sportschule, unterrichtet. Ganz vorne rangiert Daniel Haase (39), der die Junglöwen des Erstligisten Rhein-Neckar Löwen trainiert. Er bestätigte die Wahl der Jury, in dem er mit der U19-Mannschaft die deutsche A-Jugend-Meisterschaft gewann - im Viertelfinale hatte Haase mit seinem Team den TSV Bayer Dormagen ausgeschaltet.

Die Ehrung findet im Rahmen des Pixum Super Cups statt, der zu Beginn der Saison 2022/23 in Düsseldorf ausgetragen wird. „Wir wollen mit dieser Auszeichnung die große Bedeutung von Nachwuchstrainer:innen für den gesamten Handball besonders wertschätzen. Die über 200 Einreichungen, die uns aus dem gesamten Bundesgebiet erreicht haben, unterstreichen, wie sehr die gesamte Handballfamilie die Tätigkeit der Trainer wertschätzt“, informiert HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, der auch Mitglied der Jury war.


Der TSV gewann am letzten Samstag das Gastspiel in Nordhorn, holte die entscheidenden Zähler im Kampf um den Klassenerhalt und wird damit auch in der nächsten Saison der 2. Bundesliga angehören. Ob das dem TuS Ferndorf ebenfalls gelingt? Es wird auf jeden Fall schwer, denn selbst ein Sieg der Mannschaft aus dem Siegerland gegen den TSV Bayer Dormagen könnte zum Abstieg führen. Im Fernduell mit dem TV Großwallstadt besitzt Ferndorf zwar ebenfalls 28:46-Punkte, hat aber das um fünf Treffer schlechtere Torverhältnis. Die Mainfranken dürfen am letzten Spieltag ein Heimspiel gegen die SG BBM Bietigheim austragen.

Die Ausgangsposition TVG / TuS in der Übersicht:
Die Mannschaft, die mindestens einen Punkt holt, schafft den Klassenerhalt, wenn die andere verliert.
Holen beide Klubs einen Punkt, steigt Ferndorf wegen der schlechteren Tordifferenz ab.
Gewinnen beide Teams ihre Spiele, würde ebenfalls das Torverhältnis entscheiden. Das gilt gleichermaßen, wenn Großwallstadt und Ferndorf verlieren.

Also: Ideale Voraussetzungen für ein interessantes Handball-Duell. Das Spiel gegen Ferndorf wird zur ungewohnten Zeit in Dormagen bereits um 18 Uhr von den Schiedsrichtern Pawel Fratczak und Paulo Ribeiro (Geldern / Diepholz) angepfiffen, da nach alter Tradition der letzte Spieltag der 2. HBL gleichzeitig gestartet wird. Das TSV Bayer Sportcenter öffnet um 17 Uhr, dann können auch Tickets an der Abendkasse gekauft werden. Dabei wird in einigen Blöcken der Platz knapp, über 1100 Karten sind schon für die Partie verkauft. Weiterhin besteht die Möglichkeit, Tickets online zu erwerben. Als Gäste werden der Manager des ukrainischen Klubs HC Motor Zaporozhye und seine Frau am Samstag in der Halle sein. Wie die Handball-Liga heute bekanntgab, wird der neunfache Meister der Ukraine in der kommenden Saison als 20. Mannschaft in der 2. HBL spielen.

Der TSV lädt nach dem Saisonfinale gegen Ferndorf zur großen Klassenerhaltsparty powered by Rheinland Versicherungen am TSV Bayer Sportcenter ein und hat sich als Dankeschön an die Fans ein Special überlegt. So gibt es gleich nach der Verabschiedung von sieben Spielern und zwei Trainern 500 Liter Freigetränke für alle Fans am Getränkeausschank in der Halle. Kostenlos ausgeschenkt werden dort dann Sünner Kölsch, Cola, Sprite und Wasser. Auf dem Vorplatz wird derweil eine Party gestartet, bei Musik und Getränken freuen sich Mannschaft und Verantwortliche des TSV, mit den eigenen Anhängern zu feiern und die mit einer sagenhaften Aufholjagd beendete Saison 2021/22 ausklingen zu lassen. Für die Bereitstellung der Getränke bedankt sich der TSV beim langjährigen Getränkepartner Sünner.

Der TSV weist darauf hin, dass aus der bisherigen Maskenpflicht inzwischen die Empfehlung geworden ist, eine solche Maske zu tragen.


Der TSV Bayer Dormagen und Handballer Patryk Biernacki haben einvernehmlich vereinbart, den noch bis 2023 geltenden Vertrag zum Ende der laufenden Saison aufzulösen. „Ich bin sehr froh, dass ich in Dormagen die Chance hatte, in der 2. Bundesliga zu spielen“, sagt der 26-Jährige. „Es war ein Superjahr in einem perfekten Verein, bei dem ich kompetente Ansprechpartner hatte, die mir in allen Angelegenheiten geholfen haben. Auch die Fans sind hervorragend und haben alles gegeben.“

Für den im letzten Jahr aus Polen nach Dormagen gekommenen Rückraumspieler war das Thema Sicherheit der Familie ausschlaggebend für die Rückkehr in die Heimat. „Wir hatten uns bereits im März entsprechend verständigt, als wir alle noch auf den erfolgreichen Verlauf der Saison hoffen mussten“, sagt Handball-Geschäftsführer Björn Barthel. „Es war eine schöne Zeit mit einem sehr angenehmen Spieler, dessen Entscheidung wir natürlich nachvollziehen können. Alles Gute, Patryk.“

Patryk Biernacki wird am kommenden Samstag, 11. Juni, nach dem letzten Spiel gegen den TuS Ferndorf mit weiteren Spielern verabschiedet. So verlassen auch Max Eugler, Ante Grbavac, Finn Johannmeyer, Lennart Leitz und Tim Mast den Verein. Ebenso wie das Trainergespann Peer Pütz und David Röhrig.


Nach Großwallstadts Niederlage in Hamm am Freitag war klar: Mit einem Sieg in Nordhorn ist Dormagens Klassenerhalt in trockenen Tüchern. Doch dort muss man erst einmal gewinnen. Das hatten vor dem TSV lediglich vier weitere Mannschaften geschafft, selbst Aufsteiger ASV Hamm gab in Nordhorn die Punkte ab. Nicht aber der TSV. Dank des zweiten Auswärtserfolges bei den Niedersachsen (29:25 war der erste am 16. Mai 2015) in der 2. HBL können die Wiesel den Blick voll auf die Saison 2022/23 werfen. Das für den TSV nicht mehr mit dem Abstiegsgespenst verbundene finale Heimspiel am kommenden Samstag, 11. Juni, 18 Uhr, im TSV Bayer Sportcenter hat indes für den Gegner eine große Bedeutung: Der TuS Ferndorf kämpft um den Klassenverbleib im Fernduell mit dem TV Großwallstadt, der die günstigere Ausgangsposition mit einem Heimspiel gegen Bietigheim und dem um fünf Treffer besseren Torverhältnis hat. Natürlich wird der TSV sich auch am 38. Spieltag nicht schonen. Immerhin besteht die Möglichkeit, Rostock und Ludwigshafen in der Tabelle der 2. Handball-Bundesliga zu überholen. Und wenn die Torleute höchstens 23 Treffer zulassen, könnte Dormagen die einzige Mannschaft der 2. Liga sein, die weniger als tausend Gegentreffer kassierte.

Zurück zum letzten Auswärtsspiel der laufenden Spielzeit: Die Schiedsrichter verteilten schon relativ früh gelbe Karten - insgesamt vier, als gerade mal drei Minuten vorbei waren. Knapp drei Minuten später war das Spiel für Nordhorns Goalgetter Georg Pöhle bereits beendet - er traf Mislav Grgic unbeabsichtigt am Kopf und sah die Rote Karte. Den Verlust des wichtigen Spielers mussten die Gastgeber erst einmal verkraften, bis dahin aber holte der TSV den 6:2-Vorsprung heraus. Dies ließ sich die HSG nicht gefallen und drehte die Partie mit einem 7:0-Lauf innerhalb von nur fünf Minuten. Doch an diesem Samstag demonstrierten die Dormagener, dass sie dazu ebenfalls in der Lage sind: Für ihre sieben Treffer in Folge benötigten sie nur unwesentlich mehr Zeit. Tolle Paraden von Martin Juzbasic und vier Tore hintereinander von Jan Reimer führten zum 9:13 in der 23. Minute. Fortan lief Nordhorn dem Rückstand hinterher, kam aber nie näher als bis auf zwei Treffer. Daran änderte auch die Rote Karte gegen Mislav Grgic nichts: Er traf Daniel Fontaine nicht regelgerecht, aber nicht am Kopf, und musste vielleicht auch wegen der ausgleichenden Gerechtigkeit das Feld verlassen.

Auch nach dem Seitenwechsel verwaltete der TSV den Vorsprung clever. Technische Fehler hatten keine Auswirkungen, da sich auch Nordhorn manchen Fauxpas leistete. Als dann auch noch Julian Possehl nach einem Foul an Alexander Senden in der 50. Minute den roten Karton sah, konnte ein weiterer Rückraumspieler der Gastgeber die Partie nur noch von außen betrachten. Danach war offenkundig, dass es zu keiner erneuten Wende kommen würde - selbst als Luca de Boer und Daniel Fontaine ihr Team bis auf 24:26 und 25:27 heranbrachten: Alexander Senden schraubte mit zwei Treffern den Vorsprung auf 25:29. Das Endergebnis 26:29 stellte Nordhorns bester Werfer Markus Stegefelt her. Danach stürmten die übrigen Dormagener Spieler, Trainer und Betreuer zur Jubelfeier das Spielfeld.

Geschäftsführer Björn Barthel war nach dem Erfolg natürlich erleichtert und fasste das Lob an Spieler und Trainer so zusammen: „Es war der starke Zusammenhalt, positive Energie, ihr habt nie den Glauben an euch verloren und die Ruhe bewahrt.“ Der Nachfolger von Peer Pütz verfolgte die Partie aus gewisser Entfernung und schickte ein dickes Kompliment Richtung TSV: „Ich gratuliere der Mannschaft und dem gesamten Trainerteam zu den beeindruckenden Leistungen in der Rückrunde und zum verdienten Klassenerhalt. Ich wünsche dem TSV Bayer Dormagen einen gelungenen Abschluss der Runde beim letzten Heimspiel und freue mich sehr auf die kommende Saison in der 2. Bundesliga“, erklärte der künftige Trainer Matthias Flohr, der aktuell noch als Co-Trainer bei HBW Balingen/Weilstetten in der 1. Liga tätig ist.

HSG Nordhorn-Lingen - TSV Bayer Dormagen 26:29 (14:16)
Nordhorn:
Buhrmester (6 Paraden), Ravensbergen (2 P.); Weber (4), Mickal (5), Miedema, Stegefelt (7/1), Patzel, Fontaine (5), Terwolbeck, de Boer (1), Visser, Possehl (2), Pöhle, Kalafut (2).
Dormagen: Juzbasic (10 P.), Simonsen; Meuser (2), Leitz, Senden (6), Biernacki (1), I. Hüter (3), Reimer (8/2), Grgic, Zurga, P. Hüter (2), Johannmeyer, Seesing (4), Mast (3), Schmidt.
Schiedsrichter: Schmidt / Linker.
Zuschauer: 1812.
Zeitstrafen: 12:10 Minuten.
Siebenmeter: 1/2:2/2 (Juzbasic hält gegen Stegefelt).
Spielfilm: 2:6 (10.), 9:6 (15.), 9:13 (23.), 13:15 (28.), 13:16, 14:16 - 15:19 (37.), 16:21 (41.), 18:21 (44.), 19:24 (48.), 24:26 (54.), 25:29, 26:29.


Der vierte Sieg in Folge bringt dem TSV Bayer Dormagen den Klassenerhalt. Die Mannschaft von Peer Pütz setzte sich am Samstagabend bei der HSG Nordhorn-Lingen mit 29:26 (16:14) durch und besitzt damit vor dem letzten Spieltag drei Punkte Vorsprung auf Ferndorf und Großwallstadt. Diese Teams kämpfen am nächsten Samstag im Fernduell um den rettenden Platz 17: Ferndorf spielt in Dormagen, Großwallstadt erwartet Bietigheim. Beide weisen 28:46-Punkte auf, Großwallstadt besitzt aktuell das um fünf Treffer bessere Torverhältnis.

Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten im Nordhorner Euregium die Dormagener Spieler und der begeisterte Anhang samt mitgereisten Fans. In der Partie führte der TSV zunächst 6:2, lag dann mit 6:9 zurück, um schließlich mit dem 16:14-Vorsprung in die Kabine zu gehen. Nach dem Seitenwechsel gaben die Gäste die Führung nicht mehr ab und feierten schließlich den 13. Saisonsieg.

Jan Reimer war mit 8/2 Toren einmal mehr der erfolgreichste Werfer. Alex Senden erzielte 6 Treffer, Aron Seesing 4. Mit 10 Paraden, darunter ein abgewehrter Siebenmeter, gewann Martin Juzbasic das Torwartduell.

Weitere Informationen folgen.


Eine weitere Entscheidung in der 2. Handball-Bundesliga könnte bereits an diesem Freitag fallen: Wenn der ASV Hamm das Heimspiel gegen den TV Großwallstadt gewinnt, dann würde mit den Westfalen der neben dem VfL Gummersbach zweite Aufsteiger feststehen. Das wäre dann gleichzeitig das Ende aller Träume der HSG Nordhorn-Lingen, in der Saison 2022/23 wieder in der Liqui Moly Bundesliga zu spielen. Ein Sieg der Niedersachsen gegen den TSV Bayer Dormagen am Samstag hätte dann keine Bedeutung mehr. Die Wiesel freilich haben ein großes Eigeninteresse an den beiden Punkten. Denn sollte Großwallstadt verlieren und der TSV gewinnen, dann wäre der TSV gerettet und über den dritten Absteiger nach Aue und Emsdetten würde dann nur noch zwischen Ferndorf, Großwallstadt und (theoretisch) den Eulen Ludwigshafen am letzten Spieltag entschieden. Das Spiel zwischen Nordhorn und dem TSV wird am 4. Juni um 19.30 Uhr im Euregium Nordhorn von den Schiedsrichtern Frederic Linker und Sascha Schmidt (Recklinghausen / Bochum) angepfiffen. Wer nicht dabei sein kann, der sollte die Partie des 37. Spieltags live auf Sportdeutschland.tv verfolgen.

„Es gibt Mannschaften, bei denen der Wurm drin ist, und dazu zählt leider auch unsere HSG Nordhorn-Lingen“, heißt es auf Nordhorns Homepage und es sieht so aus, als hätten die Verantwortlichen den Aufstieg abgeschrieben - was ja auch realistisch ist angesichts der Drei-Punkte-Rückstand auf den ASV Hamm nach sechs Auswärtsniederlagen in Folge. Der erfolgreichste Werfer Georg Pöhle unterstreicht die Aussagen: „Wir haben den Fokus Aufstieg beiseitegelegt und wollen erst einmal wieder in die Spur finden.“ Der Halblinke Pöhle zählt zu den sieben Spielern der 2. HBL, die in dieser Saison mindestens 200 Tore erzielt haben. Mit seinen 175 Feldtreffern ist er nach Savvas Savvas (Großwallstadt, 210) und Philipp Vorlicek (Hagen, 177) der drittbeste Liga-Schütze aus dem Spiel heraus.

Patrick Miedema (Hurry-Up Zwartemeer), Daniel Fontaine (Karriereende), Robert Weber (Olympiacos Piräus), Nils Torbrügge (GWD Minden, Geschäftsführer) und Pavel Mickal (Ziel unbekannt) sind zum letzten Mal in einem Heimspiel für die HSG Nordhorn-Lingen im Einsatz und werden nach dem Spiel verabschiedet.

Die letzten beiden Vergleiche der Vereine endeten aus Dormagener Sicht durchaus erfreulich: Im Hinspiel beschenkte der TSV sich selbst mit dem 23:19-Erfolg am Tag vor dem Heiligen Abend aufgrund einer Turbo-Leistung in der zweiten Halbzeit. Zur Pause hieß es noch 10:9 für die Gäste. Und auch das letzte Auswärtsspiel im Euregium brachte dem TSV zumindest eine Punkteteilung: Der 37. Spieltag am 1. Juni vor drei Jahren endete 22:22 - Nordhorn stand als Aufsteiger fest und der TSV hatte den Klassenerhalt gesichert. Aktuell würde eine Punkteteilung das Thema Ligaverbleib auf den letzten Spieltag am 11. Juni vertagen. Deshalb geht die Absicht auch über ein Remis hinaus: „Wir wollen an die überzeugenden Leistungen und die Erfolge der letzten Spiele anschließen“, kündigt Trainer Peer Pütz vor seinem letzten Auswärtsspiel mit dem TSV an.


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